„Ich bin der Zorn Gottes! Ich werde meine eigene Tochter heiraten, ich werde die reinste Dynastie gründen, die die Menschheit kennt, und gemeinsam werden wir über den ganzen Kontinent herrschen. Wir werden allem standhalten. Ich bin der Zorn, der Zorn Gottes! Wer will sich mir anschließen?“
Dies ist der wohl meist zitierteste Part aus Werner Herzogs „Aguirre, der Zorn Gottes“. Mit diesem Film gab das geniale Duo Kinski / Herzog seinen Einstand in der Kinogeschichte. Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, welch unbändige Kraft diese beiden - im positiven Sinne gemeinten – Irren entwickeln würden, in deren Folge noch vier weitere Meilensteine des Films entstehen sollten.
Im Jahre 1560 machen sich spanische Eroberer auf, um das sagenhafte Goldland Eldorado zu finden. Sie müssen sich durch den dichten Dschungel des Amazonas ihren Weg bahnen. Als ihr Anführer wegen den unüberquerbaren Stromschnellen umkehren will, wird er von dem Edelmann Don Lope de Aguirre (Klaus Kinski) kurzerhand abgesetzt und später erhängt. Aguirre will unter allen Umständen zum Land Eldorado vordringen und ist bereit, dafür jeden Preis zu zahlen.
Der Weg der Eroberer ist überschattet von Indianerüberfällen, Hungersnot und Fieber. Und immer mehr Männer sterben einen grausamen Tod. Doch Aguirre ist wie von Sinnen, fordert Gott und die Natur heraus um sein Ziel zu erreichen. Am Ende ist Aguirre ganz allein auf seinem riesigen Floß. Gefangen von den gewaltigen Stromschnellen und umgeben von den Leichen seiner Männer. Und allein treibt er in sein endgültiges Verderben hinein ...
Wahrscheinlich begehe ich jetzt in den Augen einiger Filmkritiker eine Majestätsbeleidigung – aber „Aguirre, der Zorn Gottes“ gibt mir persönlich ziemlich wenig. Zweifelsohne hat Herzog hier ein wirklich bildgewaltiges Epos mit wunderschönen Naturbildern abgeliefert, aber ich komme teilweise um vor Langeweile. Alle weiteren Zusammenarbeiten von Kinski und Herzog waren fesselnd, zusammenhängend in ihrer Erzählweise. „Aguirre“ jedoch verliert zumindest für mich einige Male den Handlungsfaden und hat außer den Gewalten der Natur und eines Klaus Kinski wenig zu bieten, das mich fesseln könnte. Mit Sicherheit hat Werner Herzog auch hier eine Vision verfolgt und der enorme, weltweite Erfolg mag ihm Recht geben, aber für mich persönlich kommt der Film nie an seine späteren Werke mit Kinski heran.
Die ungeheure Natur – mal wunderschön und dann im nächsten Augenblick unberechenbar und tödlich – und Kinski ergänzen sich im Zusammenspiel. Doch ich hatte insbesondere von den Szenen mit den Indianern mehr erwartet. Zu jeder Zeit müssen diese Eroberer des Nutzlosen mit Überfällen der Eingeborenen rechnen, doch man sieht jedesmal nur ihre abgeschossenen Pfeile, nie die Indianer selbst.
Dramaturgisch sicherlich eine Weile recht spannend, doch mir fehlt der direkte Vergleich zwischen den Herren des Urwalds und seinen Eindringlingen. So bleibt die Bedrohung stets nur vage im Hinterkopf des Betrachters, der sich somit ganz auf Kinski konzentrieren muss (oder darf).
Kinski ist auch der einzige Schauspieler, der diese Bezeichnung zu Recht trägt. Alle anderen Akteure wirken wie Laiendarsteller und sind es hoffentlich auch. Sie stieren stumpf in die Kamera und tragen ihre Dialoge emotionslos vor. Gerade mal Peter Berling als Don Fernando de Guzman dürfte einen gewissen Bekanntheitsgrad haben. Er machte sich später allerdings mehr durch Fantasy-Romane einen Namen.
Kinski unterscheidet sich grundlegend von der Trägheit der übrigen Akteure. Von ihm geht eine Urkraft aus, eine enorme Energie, die ihn selbst und den Film mitzureißen droht. Mit seinem Buckel und dem schleifenden Gang wirkt Aguirre so verletzlich, ist jedoch rücksichtslos und grausam zu den Anderen und zu sich selbst. Um den Traum vom sagenhaften Goldland zu verwirklichen, schlägt er sämtliche Warnungen und Gefahren in den Wind und treibt so seine Männer in den Tod.
Kinskis Aguirre ist maßlos in jeder Beziehung, ebenso wie sein Darsteller selbst. Er kann seine eigenen Grenzen nur dann sprengen, wenn er sich ihnen nähert. Eine fantastische Leistung Kinskis, gleichermaßen beeindruckend wie auch bedrückend. Kinski/Aguirre ist von Beginn an dem Untergang geweiht, der Film selbst ist es zum Glück nicht. Kritik und Publikum waren sich bei „Aguirre, der Zorn Gottes“ ausnahmsweise einmal einig und auch heute noch gilt der Film als eines der größten Meisterwerke der Filmgeschichte. |