Alle Jahre wieder...
... steht ein neuer Katastrophenfilm von Deutschlands Hollywood-Export
Roland Emmerich ins Haus. Was hat der gebürtige Schwabe eigentlich nicht bereits alles zerstört! In "Independence Day" wurde die Erde von scheinbar unbesiegbaren Aliens bedroht, in "Godzilla" ließ er das gleichnamige japanische Filmmonster auf New York los, in "The Day After Tomorrow" wurde die Erde von schwerwiegenden Klimakatastrophen bedroht. Zuletzt präsentierte der Regisseur, Produzent und Drehbuchautor einen unausgegorenen, prähistorischen Abenteuerfilm ("10.000 B.C."), der trotz seiner Schwäche immerhin mal eine andere Art von Film war.

Nun kommt mit
2012 also ein Film, der geradezu idealtypisch für das ist, was
Emmerich am besten kann: die Welt zerstören. Da er das bereits mehrere Male gemacht hat, muss der neue Film also folgerichtig bombastischer, kolossaler und gigantischer sein als seine Vorgänger. Der Stuttgarter Filmemacher bedient sich hierbei dem Kalender der Maya, der das Ende der Welt für den 21. Dezember 2012 vorhersagt. Wie schon "The Day After Tomorrorow" beginnt auch "2012" mit der (scheinbar) zufälligen Entdeckung einiger Wissenschaftler, welche die Erde für immer verändern wird. Oder zerstören, wie gehabt.
Roland Emmerich macht sich hier gar nicht erst die Mühe, die Vorlage näher zu erläutern - anscheinend setzt er vorraus, dass alle Zuschauer wissen, was es mit diesem ominösen Datum auf sich hat. Dementsprechend beginnt der Film recht plötzlich mit einem Jahres-Countdown von 2009 bis 2012, nach welchem die Lage der Welt natürlich immer schlimmer wird.
Emmerichs Filme setzen traditionell eher auf bombastische Effekte und hohe Schauwerte als auf eine plausible Charakterentwicklung. Leider macht da auch
2012 keine Ausnahme. Dementspechend bekommt der Cast aus den eigentlich talentierten Schauspielern kaum eine Chance der Entfaltung. Hauptdarsteller
John Cusack, ohne Frage eine toller Schauspieler ("Con Air", "Zimmer 1408"), bleibt erschreckend eindimensional; seine charakterliche Entwicklung passt auf einen Bierdeckel.
Chiwetel Ejiofor gibt den (natürlich) menschenfreundlichen und warmherzigen Forscher, der das Ende der Welt voraussieht, allerdings ebenfalls in ein enges Drehbuch-Konzept gezwängt wird.
Amanda Peet und
Thandie Newton machen im Grunde nichts anderes außer besorgt schauen und weinen,
Danny Glover verkörpert den US-Präsidenten, der pathetischer nicht sein könnte - sozusagen ein groteskes, um den Faktor 100 vergrößertes Zerrbild Barack Obamas. Die einzigen Schauspieler, die dem Zuschauer gefallen können, sind
Oliver Platt als kompromiss- und rückgradloser Politiker sowie
Woody Harrelson als durchgeknallter Radiomoderator.

Wenn erst das Inferno losgeht, zeigt der deutsche Filmemacher was er kann: alles in Schutt und Asche legen (was übrigens durchaus wörtlich zu verstehen ist). Dabei wirkt
2012 zwar optisch durchaus beeindruckend sowie spannend, allerdings bekommt man nach einiger Zeit den Eindruck, dass der Film ein
Emmerich-Katastrophen-Best-Of sein soll. Von Erdbeben, Vulkanausbrüchen, sich durch Plattenverschiebung öffnende Erdspalten über Feuerinfernos bishin zu Tsunamis ist da so ziemlich alles dabei, was unseren Planeten zerstören könnte. Eigentlich habe ich nur noch auf Blitzfrost gewartet, aber der ist wohl bei "The Day After Tomorrorow" hängen geblieben.

Wenn die Erde in Chaos versinkt, ist
Emmerich in seinem Element. In spektakulären Bildern bekommt der Zuschauer einen Weltuntergang präsentiert, der sich gewaschen hat. Mit brachialem Sound tun sich Risse in der Erdkruste auf, fallen Gebäude in sich zusammen oder branden gigantische Flutwellen gegen Städte, die wie Spielzeug wirken. Hier entfaltet
2012 sein volles Potenzial und stellt seinen Quasi-Vorgänger "The Day After Tomorrorow" noch ordentlich in den Schatten. Problematisch sind eher die Szenen, in denen gerade mal nichts zerstört wird. Bei teilweise eklatanten Logiklöchern, 08/15 Dialogen und einseitigen Charakteren fragt man sich zuweilen, ob das Drehbuch in einer sich öffnenden Erdspalte verschwunden ist. Figuren, die die charakterliche Tiefe eines Abziehbildes besitzen, schwingen Reden, die selbst für
Emmerich-Verhältnisse pathetischer nicht sein könnten. Klischeebeladen, politisch korrekt, mit der Moralkeule und dem Liebesschwert bewaffnet und geschützt durch einen Panzer des Mitgefühls wirkt
2012 leider teilweise wie ein groteskes Zerrbild eines Katastrophenfilms.
Fazit: Wie gehabt und wie gewohnt präsentiert
Roland Emmerich einen Weltuntergang, der an Bombast und Krawall schwerlich zu überbieten ist. Tolle Effekte (sowohl optisch als auch akustisch) pressen den Zuschauer in den Sitz. Aus selbigem fällt man jedoch fast, wenn man Wert auf eine ausgefeilte Story und tiefgründige Charaktere legt - da wird aus dem Katastrophenfilm schnell ein Katastrophen-Film! Mit 160 Minuten ohnehin recht lang geraten kann
2012 folgerichtig nur dann überzeugen, wenn man sich über die eigene Erwartungshaltung im Klaren ist. Als Blockbuster ohne großartige Tiefe, jedoch mit hohem Schauwert kann
Emmerichs Neuester daher nur bedingt überzeugen.